Testamentserrichtung und Testamentsformen

Ein wirksames Testament kann nur jemand errichtet, der testierfähig ist. Grundsätzlich verfügt jeder über diese Fähigkeit. Ausgeschlossen sind

Ein Testament muss persönlich errichtet werden, d.h. eine Stellvertretung ist ausgeschlossen.

In Deutschland kann ein Testament in zwei Formen errichtet werden:


Das öffentliche Testament

Dabei erklärt der Erblasser seinen letzten Willen vor einem Notar, entweder mündlich oder durch Übergabe einer Schrift, mit der mündlichen Erklärung, dass das Geschriebene den letzten Willen enthalte. Das Verfasste braucht nicht vom Erblasser selbst geschrieben zu sein. Das Schriftstück kann offen oder verschlossen übergeben werden.

Der Notar veranlasst, dass das Testament unverzüglich in besondere amtliche Verwahrung gebracht wird. Der Erblasser erhält über das in Verwahrung genommene Testament einen Hinterlegungsschein. Die Verwahrung erfolgt in der Regel beim Nachlassgericht, einer Abteilung des Amtsgerichtes am Wohnort des Erblassers.


Das private (eigenhändige) Testament

Beim privaten Testament ist eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung des Erblassers erforderlich. Das Testament muss von Anfang bis Ende vom Erblasser selbst geschrieben und auch unterschrieben sein. Ein mit Schreibmaschine verfasstes Testament ist also formunwirksam!


Eine Orts- und Zeitangabe ist nicht erforderlich, aber empfehlenswert, da so bei mehreren vorhandenen Testamenten der wirklich aller letzte Wille ermittelt werden kann. Als Unterschrift empfiehlt sich der Vor- und Familienname, es genügt aber auch nur der Vorname oder die Familienstellung. Wichtig ist, dass die Urheberschaft einwandfrei festgestellt werden kann und an der Ernstlichkeit der Erklärung keine Zweifel bestehen.

Auch das private Testament kann in amtliche Verwahrung gegeben werden.

 


Beide Testamentsformen haben Vor- und Nachteile:


Die Errichtung des privaten Testamentes ist billiger und unkomplizierter ist. Dafür finden sich aber häufig Fehler, Widersprüche und Unklarheiten, die im Nachhinein zu Erbstreitigkeiten und Schwierigkeiten führen können.


Der Vorteil des öffentlichen Testamentes ist darin zu sehen, dass seine Echtheit nicht bestritten werden kann. Unklarheiten und Widersprüche werden bereits bei der Errichtung im Gespräch mit dem Notar beseitigt. Außerdem kann das öffentliche Testament zusammen mit dem Protokoll über die Testamentseröffnung den Erbschein ersetzen. Dadurch können die Kosten der Testamentserrichtung mit den ersparten Kosten des Erbscheinsverfahrens wett gemacht werden. Besonders vorteilhaft daran ist außerdem die Beschleunigung der Nachlassabwicklung, da eine Erbscheinserteilung unter Umständen längere Zeit in Anspruch nimmt.

siehe auch Checkliste: Was ist bei der Errichtung eines Testamentes zu beachten?

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